Rückblick

Jesus bekennen – ohne falsche Scheu

CHRISTUSTAG Bayern 2025 mit rund 1.250 Besuchern an neun Veranstaltungsorten

Christen sind dazu aufgerufen, sich ohne falsche Scheu auch öffentlich zu Jesus zu bekennen. Dazu hat der Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) ermutigt. In einer Erklärung zum Christustag am 3. Oktober kritisiert der ABC zugleich Fehlentwicklungen innerhalb der Kirche. So würden Aussagen der Bibel relativiert und dem Zeitgeist unterworfen. In der Folge werde der Anspruch von Jesus „Niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ geleugnet. Kirchliches Handeln dürfe nicht um Bestandswahrung kreisen; vielmehr müsse es sich darauf konzentrieren, Menschen vor dem Verlorensein zu warnen und sie einzuladen, das Angebot der Rettung durch Jesus Christus anzunehmen.

Der Christustag stand unter dem Motto „Mit Mut von Jesus reden“. Der ABC-Vorsitzende Dekan Till Roth rief in seiner Predigt beim Christustag in Lohr am Main dazu auf, nicht nur allgemein von Gott zu sprechen, sondern bewusst von Jesus zu reden. Gott sei für viele Menschen ein „nicht näher bestimmbares höheres Wesen“; das Besondere am christlichen Glauben aber sei, dass sich Gott in Jesus Christus offenbart habe. Roth erinnerte an das Bibelwort, wonach „in keinem anderen das Heil ist“ als allein im Namen Jesus.

Glauben nicht weichspülen

ABC-Sprecher Hans-Joachim Vieweger sagte in Lauben (Dekanat Memmingen), die heutige Kirchenkrise hänge damit zusammen, dass der Glaube häufig weichgespült sei. Das geschehe immer dann, wenn die Autorität der Bibel als Gottes Wort beschädigt werde: „Der Glaube zerrinnt zwischen unseren Fingern, wenn wir die Bibel zerfleddern“, so Vieweger.

Ulrich Parzany, der Vorsitzende des Netzwerks Bibel und Bekenntnis, erinnerte beim Christustag in Hersbruck daran, dass das Evangelium nicht „ein esoterisches Heilmittel für die private Nische“ sei. Es gehe alle an und müsse öffentlich verkündet werden. Der Evangelist Lutz Scheufler sagte dazu in Lichtenfels, Christen sollten nicht einfach warten, bis sie von anderen angesprochen werden: „Das christliche Zeugnis funktioniert nicht als Stummfilm.“

Der Leipziger Theologieprofessor Peter Zimmerling wiederum betonte in Bayreuth, dass der Mut zum Glaubenszeugnis aus der eigenen Erfahrung der Liebe Jesu entstehe. Dann werde das Zeugnis für Jesus auch für andere Menschen glaubwürdig. Ähnlich äußerte sich David Jarsetz, der Leiter der Liebenzeller Mission, in Weiltingen. Als Beispiel führte er an, wie sein Sohn einmal nach der Zeit bei einer jungen Babysitterin noch nach deren Parfüm gerochen habe. Im übertragenen Sinn sei es wichtig, sich immer wieder „in Jesu Arme“ zu begeben, um dann auch den „Geruch“ Jesu annehmen – das werde Auswirkungen auf das Miteinander mit anderen Menschen haben.

Sprachfähig werden im Glauben

Der Dank für das Wunder der deutschen Einheit stand im Mittelpunkt der Beiträge von Alexander Garth in München. Der Pfarrer, der 1988 aus der DDR ausgebürgert worden war, erinnerte an die Diskriminierungen, denen Christen in der DDR ausgesetzt waren. Zugleich habe man gelernt, den eigenen Glauben gegen Angriffe des sozialistischen Staates zu verteidigen; dies habe die Sprachfähigkeit im Glauben geschult – ein Thema, das angesichts eines säkularen Umfelds für Christen heute zunehmend an Bedeutung gewinne.

Der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Hans-Jörg Voigt, verwies in Berg (Oberfranken) auf die Religionsfreiheit in Deutschland. Trotzdem gebe es Anfeindungen wie im Fall einer Kirche in Berlin, die wegen ihres Engagements für Flüchtlinge Polizeischutz brauche.

In Regensburg erklärte der emeritierte Theologieprofessor Hans Schwarz, der Exodus der Mitglieder aus den Kirchen müsse gläubige Christen auch im Hinblick auf Staat und Gesellschaft beunruhigen, schließlich beruhe der freiheitliche Sozialstaat auf der jüdisch-christlichen Idee der Nächstenliebe. Nächstenliebe wiederum basiere darauf, dass Gott die Menschen zuerst geliebt habe.

Zu den neun Veranstaltungen des Christustags Bayern kamen in diesem Jahr rund 1.250 Besucher, die meisten nach Hersbruck und Weiltingen. In Berg und Lohr sprachen die örtlichen Landräte Oliver Bär und Sabine Sitter Grußworte.

Der Christustag Bayern wird seit 2012 vom Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern in Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden und Gemeinschaften organisiert. Er findet zugleich in Abstimmung mit dem Christustag in Württemberg und Baden statt – 2025 auch mit einem gemeinsamen Motto.

ABC-Sprecher Hans-Joachim Vieweger (rechts im Bild) zusammen mit Pfarrer Michael Granzin und der Synodalen Edith Pfindel in Lauben (alle Fotorechte: ABC Bayern)

„Jesus Christus – Mitte der Gemeinde“

CHRISTUSTAG Bayern 2024 mit rund 850 Teilnehmern an sieben Veranstaltungsorten

Im Vorfeld der Kirchenvorstandswahlen lud der Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) zum neunten Mal zum überregionalen Christustag Bayern ein. Insgesamt 850 Teilnehmer trafen sich an sieben Orten – in Berg (Dekanat Hof), Gräfensteinberg, Hersbruck, Lichtenfels, Lohr am Main, München und Regensburg.Die Kernbotschaft: 

Kirche kann nur wirklich leben, wenn sie aus ihrer Mitte und damit aus Jesus Christus lebt. Daher muss  an alles kirchliche Handeln, sowohl in den Gemeinden als auch auf anderen Ebenen, die Frage gestellt werden: Dienen unsere Entscheidungen dem Ziel, Christus zu den Menschen zu bringen? Ansonsten, so heißt es in der Erklärung zum Christustag, weiche die Kirche von ihrem Kernauftrag ab und verfolge eine weltanschauliche oder politische Agenda. Der ABC ruft ganz konkret dazu auf, die geistliche Dimension von Gemeindeleitung stärker in den Blick zu nehmen, zum Beispiel durch gemeinsame Glaubenskurse zu Beginn einer Wahlperiode.

Der ABC-Vorsitzende Dekan Till Roth sprach beim Christustag in Lohr am Main den Rückgang bei der Zahl der Kirchenmitglieder an. Der Umbruch hin zu einer Minderheitenkirche bedeute zwar nicht automatisch mehr geistliches Profil, doch es bestehe die Chance, neu zu entdecken, was Kirche und Christsein in ihrem Wesen ausmacht: „In einer Mehrheit schwimmen viele ohne innere Überzeugung mit. In einer Minderheit dagegen überlegt sich jeder, ob es ihm wert ist, zu dieser Minderheit dazu zu gehören.“

Auch die Tübinger Pfarrerin Maike Sachs nahm (ebenfalls in Lohr) die Veränderungen in der kirchlichen Landschaft in den Blick. Wenn sich die Kirche aus der Fläche zurückziehe, sei es umso wichtiger, an Tiefgang zu gewinnen. Tiefgang wiederum gebe allein Jesus Christus, der selbst die Tiefen der Menschheit durchlitten habe, weil er bereit war zu dienen.

In diesem Sinn lohne es sich auch auf die häufig schwierige Situation der neutestamentlichen Gemeinde zu schauen, so der Tübinger Theologe Prof. Hans-Joachim Eckstein bei seinem Vortrag in Hersbruck: „Während wir heute oft versucht sein mögen, in großen Irritationen und Notsituationen des Glaubens die Anstöße zu beseitigen und im Interesse einer wachsenden Kirche das Bekenntnis auf das leicht Vermittelbare zu reduzieren, antworten die neutestamentlichen Verfasser nicht mit einer dogmatischen Abflachung und Anpassung, sondern im Gegenteil mit einer wesentlichen Vertiefung und existentiellen Anwendung: Je tiefer die Not ist, unter der die Gemeinde leidet, desto höher ist die Christologie und umso ausdrücklicher wird das Christusbekenntnis entfaltet.“

Ulrich Parzany: Dem biblischen Jesus folgen, nicht einem Wunschbild

Das geistliche Fundament der Kirche stellte auch Ulrich Parzany, der Leiter des Netzwerks um Bibel und Bekenntnis, in den Mittelpunkt seiner Ansprache in Lichtenfels: „Gemeinde kann nur dort gebaut werden, wo Jesus Christus das Fundament ist. Und zwar der Jesus Christus, den uns die Bibel bezeugt.“ Bis hinein in die Kirche bestehe jedoch die Gefahr, Wunschbilder von Jesus an die Stelle des biblischen Jesus zu setzen: „Ein Jesus, der zu allem Ja sagt, was wir gut finden, aber nicht von den Geboten Gottes und schon gar nicht vom Gericht Gottes und von ewiger Verdammnis spricht.“

Pfarrer Thomas Bachmann rief die Besucher in Gräfensteinberg (Dekanat Gunzenhausen) zur Selbstreflexion auf: „Hat Jesus den höchsten Stellenwert in unserem Leben?“ Er fürchte, dass die Erwartungen auch von Christen zu sehr auf die eigenen Wünsche und Erwartungen ausgerichtet sind: „Wir haben oftmals ein Evangelium, das nicht wirklich Jesus Christus in den Mittelpunkt stellt, sondern uns selbst.“

Swen Schönheit: Geben wir Jesus seine Gemeinde zurück!

Auch Kirchengemeinden müssten sich fragen lassen, wo sie sich zu sehr um sich selbst drehen, so Swen Schönheit, der Vorsitzende der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der evangelischen Kirche. Bei seiner Predigt in München warnte er davor, in krisenhaften Zeiten das Heil in Strukturen zu suchen. Kirche sei zuallererst die Gemeinschaft der Gläubigen. Er zeigte sich überzeugt: Kirche habe jede Menge Zukunft, wenn sie – mit einem Wort aus der Wirtschaft gesprochen – zu ihrem „Markenkern“ Christus zurückkehre und nicht einen Bogen um den Heiligen Geist mache. Sein Appell: „Geben wir Jesus seine Gemeinde zurück“.

Selbstkritische Worte kamen auch vom sächsischen Evangelisten Lutz Scheufler in Berg (Dekanat Hof): „Ist die Kirche zu einem Club-Betrieb verkommen oder ist sie noch die Rettungsstation für Menschen?“ Als „Trainingsprogramm“ für Christen bezeichnete Scheufler die Berichte über die ersten Christen in der Apostelgeschichte: Durch Bibellesen und Gemeinschaft im Gebet und im Abendmahl werde der Glaube immer wieder neu gestärkt.

Am Christustag in Berg beteiligte sich auch der Hofer Landrat Dr. Oliver Bär. Er sei dankbar für das Engagement der Kirche in der Region. So wie die Kirchen sichtbar die Orte prägen, so sei es gut, wenn der Glaube an Jesus Christus die Orte prägt. An allen Veranstaltungsorten wurde zudem der Dank für das Geschenk der deutschen Einheit betont.


Den Vortrag von Dr. Rolf Sons zum Thema „Was wir von Jesus Christus in der jetzigen Kirchenkrise erwarten dürfen“ können Sie als Videomitschnitt nachsehen unter: https://www.youtube.com/watch?v=SsthQMn3Saw&t=10s

Die Predigt von Maike Sachs über Kolosser 1,18-20 finden Sie als Video unter: https://www.youtube.com/watch?v=fTU4VR5JWvs

Den Vortrag von Pfr. Ulrich Parzany zum Thema „Ohne Grund in Schieflage?! –  Kirche und Gemeinden im Umbruch“ finden Sie hier: Christustag 2024 Lichtenfels Vortrag von Ulrich Parzany (youtube.com)

Den Vortrag von Pfr. Thomas Jeromin zum Thema „Haupt der Gemeinde: Jesus Christus im Spannungsfeld des Zeitgeistes“ hier: Christustag 2024 Lichtenfels Votrag von Pfr. Thomas Jeromin (youtube.com)